Wenn es zum Pro­jekt des moder­nen Romans gehört, die Fra­ge der Sinn­haf­tig­keit der Welt zu ver­han­deln, so kon­sti­tu­iert sich die­ses Unter­fan­gen im Wech­sel mit der Erfah­rung einer zuneh­men­den Kon­tin­genz des Lebens in der Moder­ne. Die­se Dia­lek­tik von Sinn und Kon­tin­genz spie­gelt sich in einer wei­te­ren, näm­lich for­ma­len Dia­lek­tik des Romans: sei­ner Unform. Die Unform des Romans bestrei­tet nicht die Mög­lich­keit von Form über­haupt, son­dern ver­weist auf einen pro­duk­ti­ven Form­sinn, der sich ohne Rück­griff auf eine vor­ge­ge­be­ne Gat­tungs­poe­tik an jedem Gegen­stand auf immer wie­der neue und eige­ne Art kon­sti­tu­ie­ren muss. Seit 2012 ver­fol­gen wir die­sen Zusam­men­hang in einer Rei­he von Work­shops.


Tom McCarthy: Satin Island (2015)

Datum: 9. Febru­ar 2018. Kon­zept: Eva Mura­sov (FU Ber­lin) und Jan Lietz (FU Ber­lin). Insti­tu­ti­on: Fried­rich Schle­gel-Gra­du­ier­ten­schu­le für lite­ra­tur­wis­sen­schaft­li­che Stu­di­en (FU Ber­lin)

Als Anthro­po­lo­ge in einer Bera­tungs­fir­ma ist U. mit dem Ver­fas­sen eines „Gre­at Report“ über die Gegen­wart betraut. Aber wel­che Text­form erweist sich als elas­tisch genug für deren radi­ka­le Kon­tin­genz? „A trea­tise. An essay. A report. A mani­festo. A con­fes­si­on. A novel.“ – Bereits auf sei­nem Cover stellt Tom McCar­thys Satin Island (2015) expli­zit die Fra­ge nach dem for­ma­len Ver­mö­gen des Romans. Mehr…


Unform. Epistemologien des Romans

Datum: 17. Juni 2016 | Kon­zept: Jan Lietz (FU Ber­lin), Wolf­gang Hott­ner (HU Ber­lin), Adri­an Ren­ner (Yale) | Insti­tu­tio­nen: Fried­rich Schle­gel Gra­du­ier­ten­schu­le für lite­ra­tur­wis­sen­schaft­li­che Stu­di­en (FU Ber­lin) & PhD-Net. Das Wis­sen der Lite­ra­tur (HU Ber­lin)

Der Roman fügt sich kei­ner Gat­tungs­sys­te­ma­tik, son­dern lässt sich, aus die­ser Per­spek­tive betrach­tet, nur als Unform (Lugo­w­ski) ver­ste­hen. Ist die­ser Gedan­ke zum ers­ten Mal ent­wor­fen in den spe­ku­la­ti­ven Gat­tungs­poe­ti­ken der deut­schen Roman­tik, spricht schon die ers­te Geschich­te des Romans aus dem Jahr 1670 von ihm als „Poema ohne Metro“ und als ein „ver­wirr­tes Misch-Masch ohne Ord­nung und Annehm­lich­keit“ (Huet). Die onto­lo­gi­schen, epis­te­mo­lo­gi­schen und ästhe­ti­schen Pro­bleme des Romans las­sen sich nicht durch den Rück­griff auf Gat­tungs­kon­ven­tio­nen beschrei­ben: sie sind als Pro­bleme der Form zu behan­deln. Mehr…


Alexander Kluge: Das fünfte Buch (2013)

Datum: 27. / 28. April 2013 | Kon­zept: Jan Lietz (FU Ber­lin), Wolf­gang Hott­ner (HU Ber­lin), Micha Huff (FU Ber­lin), Ama­deux Haux (HU Ber­lin) | Insti­tu­ti­on: Stu­di­en­stif­tung des deut­schen Vol­kes e.V. (‚Sti­pen­dia­ten machen Pro­gramm‘)

Unform: Das fuenfte BuchSeit der Wie­der­ver­öf­fent­li­chung frü­he­rer Tex­te in der Chro­nik der Gefüh­le (2000) ist Alex­an­der Klu­ge nicht nur in die lite­ra­ri­sche Öffent­lich­keit zurück­ge­kehrt. Sei­ne publi­zis­ti­sche Prä­senz hat ein neu­es, inten­si­ves lite­ra­tur- und medi­en­wis­sen­schaft­li­ches Inter­es­se an Klu­ges Arbeit her­vor­ge­ru­fen, deren ästhe­ti­scher Mikro­kos­mis im Work­shop anhand von Klu­ges jüngs­ter Publi­ka­ti­on, Das fünf­te Buch (2012), erschlos­sen wer­den soll. Mehr…


Johann Wolfgang Goethe: Die Wahlverwandtschaften (1809)

Datum: 21. / 22. April 2012 | Kon­zept: Wolf­gang Hott­ner (LMU Mün­chen), Micha Huff (FU Ber­lin), Jan Lietz (FU Ber­lin), Ama­deux Haux (HU Ber­lin) | Insti­tu­ti­on: Stu­di­en­stif­tung des deut­schen Vol­kes e.V. (‚Sti­pen­dia­ten machen Pro­gramm‘)

Unform_Goethe_die_wahlverwandtschaften_erstausgabe_1809Seit schon gut 200 Jah­ren ver­lieren Johann Wolf­gang Goe­thes Wahl­ver­wandt­schaf­ten (1809) nichts an ihrer geheim­nis­vol­len Strahl­kraft. Die wie in „Stru­deln krei­send ver­sin­kende“ Roman­welt, wie Wal­ter Ben­ja­min Goe­thes „bes­ten Roman“ tref­fend beschrie­ben hat, gilt als der meis­t­in­ter­pre­tierte Text der deut­schen Lite­ra­tur­ge­schichte und bil­det den Gegen­stand unse­res ers­ten Work­shops. Mehr…