Seit jeher bil­det der Krieg und bil­den Krie­ge ein zen­tra­les Motiv künst­le­ri­scher Aus­ein­an­der­set­zung. Dabei unter­la­gen die künst­le­ri­schen Hal­tun­gen zum Krieg im Ver­lauf der Jahr­hun­der­te einem ste­ti­gen Wan­del. In des­sen Spie­gel muss jeder Bezug auf den Krieg als hoch­gra­dig kon­tex­tu­ell beschrie­ben wer­den: sowohl his­to­risch als auch gesell­schaft­lich, poli­tisch, ethisch, tech­no­lo­gisch und in Hin­blick auf ästhe­ti­sche und for­ma­le Kon­ven­tio­nen.

In der jüngs­ten west­eu­ro­päi­schen Geschich­te hat sich dabei ein qua­li­ta­ti­ver Umschlag voll­zo­gen. Bis in die zwei­te Hälf­te des 20. Jahr­hun­derts kann hier im Krieg ein prä­gen­des, gesell­schaft­li­ches Moment erkannt wer­den, das sich in ver­schie­de­nen For­men per­sön­li­cher Erfah­rung nie­der­schlug. Seit Ende des Zwei­ten Welt­krie­ges, spä­tes­tens aber seit Ende des Kal­ten Krie­ges, hat er sei­ne Funk­ti­on als sozia­les und bio­gra­phi­sches Para­dig­ma ver­lo­ren. Beschrie­ben wer­den kann die­se Dis­po­si­ti­on als ‚post-war‘. ‚Post-war‘ bezeich­net nicht die Zeit nach dem Krieg, die Zeit des Frie­dens oder des Nicht-Krie­ges, son­dern viel­mehr einen gesell­schaft­li­chen Kon­text, in dem sich der Krieg einem unmit­tel­ba­ren Erle­ben und Mit­er­le­ben sowie einer Ver­ar­bei­tung die­ses Erle­bens ent­zieht und allein von einem streng media­ti­sier­ten Stand­punkt aus beob­ach­tet wer­den kann. ‚Post-war‘ meint dabei nicht, dass in einer Gesell­schaft kei­ne Men­schen mehr leben, die eige­ne Erfah­run­gen des Krie­ges und/oder der Flucht gemacht haben, son­dern dass sich die­se Gesell­schaft in ihrer Selbst­be­schrei­bung und Ideo­lo­gie jen­seits des Krie­ges ver­or­tet.

Das Pro­jekt Tra­cing War stellt zur Fra­ge, wie sich Kunst, Lite­ra­tur und Medi­en zu die­ser Dis­po­si­ti­on ver­hal­ten und wie sich zeit­ge­nös­si­sche Ästhe­ti­ken des Krie­ges beschrei­ben las­sen. Dabei beob­ach­ten wir zwei viru­len­te Reak­ti­ons­wei­sen, von denen wir uns dezi­diert abset­zen. Die ers­te Her­an­ge­hens­wei­se ist mora­lis­tisch und ver­sucht im wei­tes­ten Sin­ne, sich das Leid ande­rer durch Stra­te­gi­en der Empa­thie anzu­eig­nen und dar­in ein Enga­ge­ment gegen den Krieg zu for­mu­lie­ren. Im Gegen­satz dazu sub­li­miert die zwei­te Her­an­ge­hens­wei­se den Krieg zu einem mit dif­fu­ser Sehn­sucht nach ‚Rei­bung‘ und ‚Gemein­schaft‘ besetz­ten Aus­weg aus dem Gefühl einer ‚post­mo­der­nen‘ Unver­bind­lich­keit. Bei­de ent­sprin­gen aus einer Über­for­de­rung an der Kon­tin­genz der eige­nen Beob­ach­tungs­dis­po­si­ti­on und der damit ein­her­ge­hen­den Hand­lungs­ohn­macht, die sie in einem kom­pen­sa­to­ri­schen Reflex mit fal­schen Sinn­an­ge­bo­ten anzu­rei­chern ver­su­chen.

Dage­gen kon­zen­trie­ren wir uns auf sol­che Kunst­wer­ke, in denen die Media­ti­sie­rung und Unver­füg­bar­keit des Krie­ges sowie die Kon­tin­genz der eige­nen Beob­ach­tungs­dis­po­si­ti­on expli­zit aus­ge­stellt wird, ohne sie mora­lis­tisch zu kom­pen­sie­ren oder in fal­sche Sehn­süch­te zu sub­li­mie­ren. In Pro­zes­sen der Recher­che, Rekon­struk­ti­on und Rekon­tex­tua­li­sie­rung machen sie die kon­sti­tu­ti­ve Nach­träg­lich­keit des ‚post-war‘ in for­ma­len Ver­fah­ren des tra­cings, d.h. der Nach­ver­fol­gung des Krie­ges, sicht­bar. Wie die­se Kunst­wer­ke genau­er zu beschrei­ben wären, wol­len wir in drei halb­tä­gi­gen Work­shops in einem theo­re­ti­schen und prak­ti­schen Aus­tausch erar­bei­ten.

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen unter: kon­takt at no-foundation.org